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Alle Lektoren in einen Sack


 
Autor: J. D. Salinger
Titel: Der Fänger im Roggen
Originaltitel: The Catcher in the Rye
Umfang: 270 Seiten, Neuübersetzung von Eike Schönfeld
Format: Hardcover
Preis: EUR 6,90
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499235399


Die Story ist bekannt. Unzählige Schülergenerationen haben "Der Fänger im Roggen" mit Begeisterung gelesen und sich mit dem jugendlichen ICH-Erzähler Holden Caulfield identifiziert. Egal ob Holden C. oder Donald D. - Verlierer liebt man. Jeder von uns schwankte einmal mit zweifelhaften schulischen Leistungen der Versetzungsgefährdung entgegen. Holden Caulfield fliegt gleich zum x-ten Mal von einem Internat und hat endgültig die Schnauze voll. Er fährt ins nahegelegene New York und schlägt sich dort einige Tage und Nächte um die Ohren. Erwachsen werden ist schwer und "Der Fänger im Roggen" ist dabei nicht der schlechteste Wegbegleiter.
 
    
 

Bis jetzt war "Fänger im Roggen" nur in einer, von vielen als zweifelhaft bezeichneten Übersetzung erhältlich. Aber vieles was Heinrich Böll an Unzulänglichkeiten in der deutschen Übersetzung von 1962 für den Kiepenheuer & Witsch - Verlag angekreidet wird, fällt gar nicht in seinen Verantwortungsbereich. Böll überarbeitete eigentlich nur die Übersetzung von Irene Muehlon, die diese 1954 für den Züricher Diana Verlag erstellt hatte. Und bereits der Erstübersetzerin lag nur ein verstümmelter, von Salingers britischem Verleger Hamish Hamilton zensierter "Originaltext" vor. Konsequent eliminierte Hamilton Fluch-Graffitos wie "Fuck you!" aus Salingers Roman, nahm ihm damit mehr oder minder die Seele und Herr Böll ließ Holden Caulfield dann eben werkgerecht "....... DICH!" räuspern.

Unter der Regie der Kiepenheuer & Witsch - Lektorin Bärbel Flad wagte man sich jetzt an die Neuübersetzung von Salingers Klassiker. Basis der Neuübersetzung war diesmal der erstmals 1995 neuaufgelegte, von sittsamen Engländern unbeleckte, wirkliche Originaltext Salingers. Der vulgäre Slang den Salinger in seinem Roman gebraucht, ist der Klebstoff der seine kunstvoll komponierte Story transportiert und Holden Caulfields Ekel vor der verlogenen Erwachsenenwelt visualisiert. Slang zu übersetzen ist schwer. Neben Phantasie und Gespür für die Aussage des Originaltextes ist vor allem Kontinuität in der Anwendung erforderlich. An vielen Stellen kommt so eine Übersetzung einer Neuschöpfung des Originals gleich. In Salingers Fall durfte auch nicht die aktuelle Jugendsprache verwendet werden, die ja manchmal nur die Halbwertszeit von einem Jahr hat, sondern eine zeitlose Sprache, die Jugendliche in vielleicht 20 Jahren immer noch mitreißt. Nicht viele deutsche Übersetzer fallen einem da ein, die sich einer solchen Mühe für einen Text unterziehen. Wolfgang Krege wäre da zu nennen, der uns mit der Neuübersetzung von Tolkiens "Der kleine Hobbit" und "Herr der Ringe" einen völlig neuen Lesegenuss bescherte , oder Andreas Vollstädt, der für seine Übersetzung von Susan Geasons Roman "Haifischfutter" in der Neuübersetzung im Haffmans Verlag vielgelobte Arbeit leistete. Und eben Eike Schönfeld, der die nicht leichte Aufgabe bravourös für "The Catcher in the rye" meisterte.

"But shit happens!", wie es so schön heißt. Kaufen Sie sich also sofort die Erstauflage der Neuübersetzung. Sie enthält einen kleinen Fehler und wird sie deshalb vielleicht einmal zu einem gesuchten Sammlerstück machen. In Kapitel 12 besucht Holden Caulfield ein Nachtlokal in der ein Pianist namens Ernie auftritt. Obwohl Ernie ansonsten kein schlechter Klavierspieler ist, liefert er an diesem Abend nur Mist ab. Das Publikum beklatscht den eitlen Pianisten trotzdem wie verrückt. Holden regt sich über diese Verlogenheit auf.

Im Original von Salinger liest sich das so... "They were exactly the same morons that laugh like hyenas in the movies at stuff that isn't funny. I swear to God, if I were a piano player or an actor or something and all those dopes thougt I was terrific, I´d hate it. I wouldn´t even want them to clap for me. People always clap for the wrong things. lf I were a piano player, I´d play it in the goddam closet. Anyway, when he was finished, and everybody was clapping their heads off, old Ernie turned around on his stool and gave this very phony, humble bow.

In der Muehlon/Böll-Übersetzung wurde daraus... "Es waren genau dieselben Idioten, die im Kino wie Hyänen über etwas lachen, das überhaupt nicht witzig ist. Wenn ich Pianist oder Schauspieler oder sonst etwas wäre und all diese Esel mich für fabelhaft halten würden, könnte ich das nicht vertragen. Ich möchte nicht einmal, dass sie auch nur klatschen würden. Die Leute klatschen immer für das Verkehrte. Wenn ich Pianist wäre, würde ich im Klosett Klavier spielen. Als Ernie aufhörte und alle wie besessen klatschten, drehte er sich auf seinem Hocker um und antwortete mit einer affektiert bescheidenen Verbeugung."

Eike Schönfeld übersetzt in der 1. Auflage... " Es waren genau die gleichen Idioten, die bei Filmen wie die Hyänen über Sachen lachen, die überhaupt nicht komisch sind. Ich schwöre bei Gott, wär ich Klavierspieler oder Schauspieler oder was weiß ich und diese Idioten fänden mich irrsinnig, ich fände das widerlich. Ich würde nicht mal wollen, dass die mir Beifall klatschen. Die Leute klatschen immer bloß bei den falschen Sachen. Jedenfalls, als er fertig war und alle wie die Blöden klatschten, drehte sich der gute Ernie auf seinem Hocker um und machte so eine ganz verlogene, bescheidene Verbeugung."

Da ist Herrn Schönfeld ein entscheidender Satz durchgerutscht, aber KEIN Vorwurf an ihn, solche Sachen passieren eben. Es sind in diesem Fall die Lektoren, die sich angewöhnen sollten ihren Job RICHTIG zu machen. Bei der Korrektur der Übersetzung wird in vielen Fällen nicht mehr mit dem Originaltext verglichen. Für diese "Arbeit" kassieren Lektoren als Verlagsangestellte bis zu 4000.- Euro NETTO im Monat und nach ihnen die Sintflut. Der fehlende Satz bei Salinger ist da allerdings noch eine Harmlosigkeit, im Vergleich zu anderen Werken die Lektoren korrigiert haben. Der Dumme ist dabei der Übersetzer, der mit seinem Namen auf dem Vorsatzblatt prangt. "Alle Lektoren in einen Sack, und draufgehauen." , würde Holden Caulfield sagen.

G. N.

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